• Schiffshebewerk Strépy-Bracquegnies: Bild: Jean-Pierre Grandmont, Wikipedia

Wallonie, ein großer Binnenhafen24/10/2018

Vierzig Jahre Investition und Weitblick haben die Binnenschifffahrt in der Walllonie komplett umgestaltet. Außer einem kleinen "missing Link" mit Frankreich ist das Netzwerk mit modernsten Schleusen, Schiffhebewerken und Kai-Anlagen jetzt bereit für das 21. Jahrhundert. Multimodal ausgestattet, damit Logistikunternehmen immer die günstigste und umweltfreundlichtste Lösung ihren Kunden anbieten können, ohne dass Wirtschaftlichkeit eingebüßt werden muss.

Gucken wir uns die Kanäle und Häfen von Hennegau an. Das Netzwerk verbindet die Meereshäfen von Antwerpen, Dünkirchen und Zeebrügge mit dem Binnenland von Westeuropa. Bis jetzt ist es ausgebaut für Schiffe bis 1350 Tonnen und teilweise sogar bis zu 3000 Tonnen. Die Flusstonnage von Waren in Wallonien betrug im Jahr 2017 fast 42,15 Millionen Tonnen, 30% mehr als 1995. Alleine 2017 brachte 7% weiteres Wachstum. Die Tendenz bleibt steigend. Nehmen wir einige Beispiele: Der Düngemittelhersteller YARA, der sein Werk direkt am Kanal in Tertre, ein Stadtteil von Saint-Ghislain hat. Dort wird ein Schiff (1350 Tonnen) in fünf Stunden beladen. Garocentre, der trimodale Hafen in La Louvière wird von der Logistiksparte der internationalen Gruppe Duferco, betrieben. Ebenfalls werden alle Windanlagen der Region per Schiff transportiert. Dies holt jede Menge Sondertransporte, außer the last mile von den Autobahnen.

Die Infrastruktur wird von der öffentlichen PACO sprl (GmbH), der Hafenbetreiber für Hennegau mit Sitz in La Louvière, stets weiter modernisiert. Viele Projekte sind im Gange, um die Lagerkapazität zu erhöhen, den Zugang für Lastkraftwagen zu erleichtern und die Schienenanbindung zu verbessern. Wenn 2022 der belgo-französischer Kanal Pommeroeul-Condé fertig ist, wird die Fahrt nach Dünkirchen nicht nur mit 12 Stunden verkürzt, sondern auch für Schiffe bis 3000 Tonnen zugänglich.

Wer wissen möchte, wie hypermoderne Binnenfahrt im 19. Jahrhundert aussah, kann die vier Schiffshebewerke vom historischen Canal du Centre besichtigen. Diese noch immer funktionsfähigen Anlagen wurden 1998 von der Unesco zum Weltkulturerbe gekürt. Wer vom Radeln oder Wandern Durst bekommen hat, kann gerne eines der berühmten Biere aus Hennegau verkosten. Seit 2016 sind sie Teil des immateriellen Weltkulturerbes der belgischen Bierkultur.